Warum ich faste: was 40 Tage Verzicht mit mir machen

Kategorisiert als Stille & Alltagsmystik
Tasse klare Brühe auf Holztisch als Symbol für christliches Fasten und 40 Tage Verzicht - Heiko Metz

Falls du nur zwei Minuten hast, das Wichtigste vorweg:• Fasten ist für mich keine Leistung, sondern eine Einladung — aus Sehnsucht, nicht aus Pflicht.• Vorgenommen hatte ich mir 40 Tage fast ohne feste Nahrung, geschafft habe ich 17 streng, den Rest reduziert.• Der Hunger zeigt, wo ich mich sonst betäube — bei mir meistens mit Essen, wenn der Stress zu groß wird.• Radikaler Verzicht ist nur eine Form: Der geistliche Kern funktioniert auch kleiner — eine Sache weglassen, die dich betäubt.

Tag drei. Wir saßen am Esstisch, die ganze Familie, und alle hauten rein. Vor mir: eine Tasse Brühe. Mit etwas Salz. Das war mein Abendessen. Das war auch schon mein Frühstück gewesen. Und mein Mittagessen. Ich saß da, den Löffel in der Hand, und dachte: Was genau war noch mal die Idee?

Die Idee war Fastenzeit. Und zwar richtig. Ich wollte es in diesem Jahr zwischen Aschermittwoch und Ostern anders machen als sonst. Radikaler. Klarer. Ganz. All in: So lange mein Körper mitmacht, wollte ich fast komplett auf Nahrung verzichten. Freiwillig. Als Experiment. Und aus einem Grund, der mit Kalorien nichts zu tun hat.

Warum faste ich überhaupt?

Nicht aus Selbstkasteiung. Nicht aus Pflicht. Sondern aus Sehnsucht.
Sehnsucht nach Klarheit. Nach Tiefe. Nach Gott.

Fasten ist keine Strafe. Kein frommes Pflichtprogramm.
Fasten ist eine Einladung.

Eine Einladung, mich auf das Wesentliche zu besinnen. Mein Leben ist voll. Voller Aufgaben, voller Lärm, voller Ablenkung. Und wenn das Leben so voll ist, wird es schwer zu hören. Schwer zu spüren. Schwer, mit mir selbst in Verbindung zu bleiben. Und mit Gott erst recht.

Dazu kommt unsere besondere Situation: Wir sind eine inklusive Familie. Der Jüngere braucht Betreuung, ständig. Zeiten für Pausen, für Stille, für absichtsloses Dasitzen vor Gott finde ich immer schwerer. Und ich merke, was das mit mir macht. Wie es mich belastet und irgendwann überlastet. Wie ich im Hamsterrad hänge und mich nach etwas ganz Einfachem sehne: einfach nur sein. Jetzt. Hier. Der Moment, ich, und Gott mittendrin.

Genau dafür faste ich. Weil dieser Zustand mich kolossal entlastet. Weil er mir Klarheit schenkt und mich gelassener auf die Anforderungen und Überforderungen meines Lebens schauen lässt.

Ich will nicht nur überleben. Ich will leben.

Was zeigt mir der Hunger?

Fasten ist wie ein Frühjahrsputz. Für den Körper. Für die Seele. Alles Überflüssige fällt weg (auch wenn ich Essen grundsätzlich gar nicht so überflüssig finde), und was mich sonst unbemerkt steuert, steht auf einmal sichtbar im Raum. Gewohnheiten brechen auf. Automatismen müssen sich erklären.

Ehrlich gesagt ahnte ich vorher schon, was der Hunger mir zeigen würde. Mein Mittel der Wahl, wenn der Stress zu viel wird, ist Essen. Je mehr Stress, desto mehr. Und desto ungesünderes Zeug, leider. Ich merke das an meiner Stimmung, an der Müdigkeit. Und wenn die Stressphase lang genug dauert, sieht man es auch.

Das Fasten war deshalb auch ein Schubser zurück in die gesündere Richtung. Aber der eigentliche Punkt liegt tiefer:

Der Hunger zeigt mir, wo ich mich betäube.

Wo ich aus Gewohnheit handle statt aus Entscheidung. Wo ich mir etwas in den Mund schiebe, damit ich etwas anderes nicht spüren muss. Fasten macht leiser. Es öffnet eine Tür in die Tiefe. Dahin, wo Gott wartet.

Nebenbei räumt der Körper auf: Sobald keine neue Nahrung kommt, baut er beschädigte Zellen ab, repariert und erneuert. Der Stoffwechsel stellt sich um. Und nach den ersten Hungertagen, heißt es, kommt oft eine tiefe Klarheit. Der Geist wird wacher, die Sinne schärfer. So sagt man. Ich wollte wissen, ob das stimmt.

Wie fühlen sich die ersten Fastentage an?

Tag eins war fast gemütlich. Entlastungstag, damit der Körper sich umstellen kann: dreimal Brühe, jeweils mit einem Esslöffel Olivenöl und einem Ei. Kein Hunger. Motivation hoch. Das Wetter spielte mit, und ich schaffte sogar einen Spaziergang am See. Mein Kommentar damals im Fasten-Tagebuch: „Wundaba!“

Tag drei war das Ende der Gemütlichkeit. Nur noch Brühe, dreimal am Tag, mit etwas Salz. So sollte es jetzt für möglichst viele Tage bleiben. Der Kohldampf zwischen den Flüssigmahlzeiten: ordentlich. Aushaltbar, alles gut. Aber dann kam der Abend. Und mit ihm die Szene vom Anfang, die ganze Familie am Tisch, alle hauen rein, und ich löffle meine Brühe.

An Tag drei war das härteste nicht das Loch im Magen. Es war mein Platz am Tisch und das Nicht-mit-Essen.

Was machen 40 Tage Verzicht mit mir?

Die ehrliche Antwort beginnt mit einem Geständnis: Ich wusste beim Start nicht, wie lange ich durchhalte. Ich wusste nicht, wie es mir gehen würde. Ich wusste nicht, ob die erhoffte Klarheit wirklich kommt oder am Ende nur der Kohldampf bleibt. Ich wusste nur, dass ich es versuchen wollte. Ein Experiment. Ein Weg ins Unbekannte. Ein Weg nach innen. Ein Weg zu Gott.

Natürlich habe ich nicht die vollen 40 Tage nur Brühe genossen. Aber 17 habe ich geschafft. Und was soll ich sagen: das erste Mal etwas wirklich essen, nach diesen Tagen, ein gedünsteter Apfel war es bei mir, war eine Offenbarung. Der Geruch. Intensiv. Süß. Wunderbar. Und der Geschmack erst. Wohlige Explosionen im Mund. So lecker, wie sicher noch nie ein anderer Apfel geschmeckt hat …

Die restlichen Tage habe ich weiter reduziert gegessen. Basisnahrungsmittel, maximal zwei Mahlzeiten am Tag. Einfach. Aber ein neues Erlebnis von Geschmack, des Gefühls, wie sich der Magen füllt und irgendwann auch voll ist. Und eine runderneuerte Dankbarkeit für alles, was mich versorgt.

Was ich auf jeden Fall sagen kann: Der Verzicht verändert den Blick. Wenn das Selbstverständlichste des Tages wegfällt, drei Mahlzeiten, wird sichtbar, wie viel sich in meinem Leben um Versorgung dreht. Um Belohnung. Um Betäubung. Und dahinter meldet sich ein anderer Hunger, einer, der sich nicht mit Brühe beruhigen lässt: der Hunger danach, einfach da zu sein. Gehalten zu sein. Bei Gott zu sein.

Dafür lohnt sich jeder einzelne Tag Kohldampf.

Wie kannst du selbst mit dem Fasten anfangen?

Du musst nicht all in gehen. Wirklich nicht. Radikaler Nahrungsverzicht ist eine Möglichkeit unter vielen, und ohne Vorbereitung ist er keine gute. Wer streng fasten will, braucht Entlastungstage am Anfang und im Zweifel das Okay der Hausärztin.

Der geistliche Kern funktioniert auch kleiner: eine Sache weglassen, die dich betäubt. Und die frei werdende Zeit nicht sofort wieder vollstopfen, sondern offen halten. Für dich. Für Gott.

Wenn du tiefer einsteigen willst: Was die Fastenzeit eigentlich ist, woher sie kommt und was sie mit Ostern zu tun hat, habe ich hier aufgeschrieben: Was ist die Fastenzeit? Und wie Fasten als geistliche Übung funktioniert, ganz ohne Heldentum, liest du unter Fasten als geistliche Übung.

Häufige Fragen zum christlichen Fasten

Muss christliches Fasten immer Essensverzicht bedeuten?

Nein. Essen ist der klassische Weg, aber kein Gesetz. Christliches Fasten heißt: für eine begrenzte Zeit auf etwas verzichten, das dich betäubt oder besetzt, damit Raum für Gott entsteht. Das kann das Abendbrot sein, das Handy oder der Feierabendwein. Einen Überblick geben die christlichen Fastentraditionen.

Wie lange dauert die Fastenzeit?

40 Tage, von Aschermittwoch bis Ostern. Die Sonntage zählen nicht mit, sie gelten als kleine Auferstehungsfeste. Warum es genau 40 Tage sind, erkläre ich in Warum dauert die Fastenzeit 40 Tage?

Ist strenges Fasten ohne feste Nahrung gefährlich?

Es verlangt Respekt, keine Angst. Wichtig sind Entlastungstage, viel Flüssigkeit und ein ehrlicher Blick auf den eigenen Körper. Wer Vorerkrankungen hat, Medikamente nimmt, schwanger ist oder unsicher: vorher ärztlich abklären. Und grundsätzlich gilt die Regel, die ich mir selbst gesetzt habe: nur so lange, wie der Körper mitmacht. Und falls dein Verhältnis zu Essen ohnehin angespannt ist: Fasten ist dann nicht der richtige Weg. Sprich stattdessen mit deiner Ärztin oder einer Therapeutin.


Und wenn dich weniger das Fasten reizt als die Stille dahinter: Genau dafür gibt es „Einmal kurz Himmel atmen“, meinen kostenlosen 7-Tage-Audiokurs. Sieben Tage, jeden Tag ein paar Minuten anhalten, mitten im Alltag. Kein Verzicht nötig. Nur ein bisschen Hunger nach mehr.

Wonach hungerst du gerade wirklich? Schreib es mir gern in die Kommentare.

Bilder: Claude Design.

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