Falls du nur zwei Minuten hast, das Wichtigste vorweg:• Luther hat sich im Kloster mit der Frage gequält, wann er endlich genug getan hat, um einen gnädigen Gott zu kriegen. Heute stellen wir dieselbe Frage, nur an andere Adressen.• Unsere Zeit hat für ihre Unruhe ein Kürzel aus der Managementsprache, VUCA. Es steht für unbeständig, unsicher, komplex und mehrdeutig.• „Allein aus Gnade“ war Luthers Entdeckung. Gottes Ja musst du dir nicht erst verdienen.• Die anderen drei Leitsätze der Reformation, allein Christus, allein die Schrift und allein durch den Glauben, geben Halt, wo Pläne und Prognosen nicht mehr tragen.• Für heute Abend darfst du neben deine To-do-Liste eine zweite Liste legen, auf der steht, was dir geschenkt wurde.
An einem Samstag im Oktober hab ich gemerkt, dass das Auto seit ungefähr einem halben Jahr keinen TÜV mehr hatte. Ein halbes Jahr! So was war mir echt noch nie passiert. Im Jahr davor hatten mich vor allem mein Burnout und das irgendwie Überleben beschäftigt, und dabei waren so semiwichtige Dinge wie der TÜV halt hinten runtergefallen. Mannomann. Ich hab dann gaaaaanz schnell nen Werkstatttermin gemacht. Den Nachmittag hab ich im Wald verbracht, in unserem Wald, der im Herbst so wunderbar riecht. Ich hab den Tag damals in zwölf Fotos festgehalten, und unter das Waldfoto hab ich geschrieben: „Natur. Ruhe. Ich. Zeit. Und Gott.“ Am Ende stand da: „Ein Geschenk!“ Wenn ich an diesen Samstag zurückdenke, hat der TÜV in meinem Kopf erstaunlich viel Platz bekommen. Dabei war der Wald das eigentlich Große an dem Tag, und für den hatte ich nichts getan.
Die Reformation hat für so etwas ein altes Wort, das heute ein bisschen verstaubt klingt. Es heißt Gnade. „Allein aus Gnade“, auf Latein sola gratia, so nennt man bis heute, was Martin Luther damals entdeckt hat. Am 31. Oktober, dem Reformationstag, erinnern evangelische Christen sich an den Beginn der Reformation, und im Kern ging es dabei um genau diese Entdeckung.
Ich finde, sie hat mit TÜV und Wald mehr zu tun, als man ihr ansieht.
„Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“
Martin Luther ist als junger Mann ins Kloster gegangen und hat es dort sehr ernst gemeint. Viele Jahre später hat er in einer Predigt auf diese Zeit zurückgeschaut. Er habe sich gequält „mit Fasten, Frieren und strengem Leben“ und dabei immer gedacht: „O wann willst du einmal fromm werden und genug tun, dass du einen gnädigen Gott kriegst?“ (Die Schreibweise hab ich ans heutige Deutsch angepasst, im Original klingt das noch ein ganzes Stück knorriger.) Genug tun. In diesen zwei Wörtern steckt eigentlich die ganze Not. Wer genug tun will, um einen gnädigen Gott zu kriegen, findet immer noch etwas, das fehlt. Luthers Zeit hatte für diese Logik sogar ein ganzes System: den Ablass. Gegen Geld konnte man sich, vereinfacht gesagt, Strafen für seine Sünden erlassen lassen. Gott als jemand, der Bücher führt … und sich kaufen lässt.
Heute fragen das nur noch wenige so wörtlich. Die Frage selbst ist aber geblieben, sie hat nur die Adresse gewechselt. Heute sehnen Überlastete eine gnädige Familie, einen nachsichtigen Freundeskreis und eine barmherzige Gesellschaft herbei. Und wo Luther gefastet und gefroren hat, optimieren wir uns selbst: gesund essen, schlank und sportlich sein, entspannter leben und lieben, pädagogisch wertvoller erziehen und erfolgreicher arbeiten. Und manche von uns fragen morgens sogar erst mal eine App, wie gut sie geschlafen haben. Das Ziel ist dasselbe wie damals im Kloster. Wir wollen genug tun, damit wir genug sind.
Ich nehm mich da übrigens nicht aus. Ich bin Theologe, ich hab über Gnade gepredigt und geschrieben und hab dabei innerlich lange unter einem Bild von Gott gelebt, der Bücher führt. Und das ziemlich streng macht. Mein Kopf wusste, was das Herz noch nicht glaubte. Wie das in meinem Burnout völlig ineinandergebrochen ist, hab ich in „Ich konnte nicht mehr glauben“ aufgeschrieben. Der verschlampte TÜV gehört in dieselbe Geschichte.
Was die VUCA-Welt mit deinem Feierabend zu tun hat
Ein ganz normaler Feierabend. Eigentlich ist schon Schluss, da kommt noch ein ganz dringendes Projekt rein, also Überstunden. Danach schnell einkaufen, und kurz vor der Kasse die Nachricht: „Bring bitte noch Milch mit. Bio und nur die aus dem Angebot!“ Dafür bräuchte man die Kundenkarte, aber die liegt … da kommt schon die nächste Nachricht: „Hast du an den Geburtstag deiner Mutter gedacht?“ Mist! Auf dem Heimweg geht man die nächsten Tage durch und stellt fest, dass das Fußballtraining der Kinder und der eigene Zahnarzttermin am selben Nachmittag liegen. Und ganz hinten im Kopf meldet sich die Frage, wann das Auto eigentlich zum TÜV muss (oder gemusst hätte … du weißt ja, wie das bei mir ausging).
In der Managementsprache gibt es für die Welt, in der solche Feierabende normal sind und eigentlich das ganze Leben sich so ähnlich anfühlt, ein eigenes Kürzel: VUCA. Das steht für die englischen Wörter volatility, uncertainty, complexity und ambiguity, auf Deutsch ungefähr Unbeständigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit (Gabler Wirtschaftslexikon). Ursprünglich hat das US-Militär damit seine Lage beschrieben, von dort ist das Kürzel in Unternehmen und Hochschulen gewandert. Ich habe auf einem Seminartag, an dem es um Zukunftstrends ging, zum ersten Mal davon gehört. Von dem Seminartag weiß ich sonst kaum noch etwas, aber als es um die VUCA-Welt ging, in der wir leben, hat es sofort „klick“ gemacht in meinem Kopf. Ich fand das so einleuchtend, mir fielen direkt Beispiele ein, und zwar weit weg von jeder Chefetage.
Ein Feierabend, der dann doch keiner ist, ist ziemlich unbeständig. Wer danach noch die Nachrichten schaut, bekommt die Unsicherheit gratis dazu, mit Fragen wie: Wie wird unsere Zukunft aussehen, und auf welche Prognosen können wir uns eigentlich noch verlassen? Dass die Milch bio sein soll und im Angebot und die Kundenkarte natürlich zuhause liegt, ist Komplexität im Kleinformat. Und mehrdeutig wird es spätestens bei den Entscheidungen, für die es kein klares Richtig gibt, nur ein Abwägen. Teilzeit oder nicht, die Kinder zum Training fahren oder endlich selbst mal zum Arzt. Unter dem Gefühl, das viele von uns umtreibt, von „immer schneller, höher, weiter“ liegen genau diese vier Wörter. Da liegt es nahe, das alles mit noch mehr Leistung in den Griff kriegen zu wollen. Genau hier, finde ich, hat Luthers Entdeckung dieser Welt eine ganze Menge zu sagen. Für jedes der vier Wörter hat sie ein Geschenk dabei:
- In aller Unbeständigkeit schenkt die Gnade echtes Leben.
- In aller Unsicherheit schenkt Jesus Christus ein festes Fundament.
- In aller Komplexität schenkt die Bibel neue Perspektive.
- In aller Mehrdeutigkeit schenkt der Glaube fröhliche Offenheit.
Was bedeutet „allein aus Gnade“?
Luther hat lange über einem Satz aus dem Brief von Paulus an die christliche Gemeinde in Rom (steht in der Bibel) gebrütet. Dort heißt es: „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ (Römer 1,17). Die Rede von Gottes Gerechtigkeit hatte Luther immer als Messlatte gelesen, an der er nur scheitern konnte, für die er nie gut genug war. Irgendwann ging ihm auf, dass Paulus das ganz anders meint, dass er von einer Gerechtigkeit spricht, die Gott schenkt. Später hat er beschrieben, wie sich das anfühlte: „Da hatte ich das Empfinden, ich sei geradezu von neuem geboren und durch geöffnete Tore in das Paradies selbst eingetreten.“
Geöffnete Tore. Ich mag dieses Bild sehr, weil eine offene Tür die leichteste Sache der Welt ist. Man geht einfach durch. Und manchmal genügt ja schon ein Türspalt, durch den Licht fällt.
Gnade heißt, dass Gott dich annimmt, bevor du irgendetwas vorzuweisen hast. Du musst sie dir nicht verdienen, und du könntest es eh nicht. Im Brief von Paulus an die Epheser (ja, Paulus war ein Freund vom Briefschreiben) steht es so: „Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es“ (Epheser 2,8). Eine Gabe, also ein Geschenk. Gnade ist unverdient und überraschend, und sie sagt dir: Du bist geliebt. Mit allen Stärken und Schwächen, mit deinen Schokoladen- und dunklen Seiten, mit allen Erfolgen und Überforderungen. Das ist das erste Geschenk, und es passt genau auf die Unbeständigkeit. Wo Erfolg um jeden Preis alles diktiert und uns die immer schnelleren Veränderungen in Atem halten, herrscht allzu oft Gnadenlosigkeit, gegen andere und am härtesten gegen uns selbst. Wir müssen funktionieren. Immer noch besser. Aber eigentlich wissen wir längst, dass schneller nicht automatisch besser ist und dass Menschen keine austauschbaren Nummern sind. Leistung bestimmt nicht unseren Wert, unser Vermögen nicht unsere Würde.
Gnade ist Gottes Gegenbewegung zum alles lähmenden Perfektionismus, die echtes Leben möglich macht.
Etwas Ähnliches hat Luther übrigens auch über ganz alltägliche Dinge geschrieben. In seinem Kleinen Katechismus, einer Art Glaubens-ABC für zuhause, zählt er auf, was Gott einem Menschen alles gibt, darunter „Kleider und Schuh, Essen und Trinken“. Und dann kommt der Halbsatz, auf den es mir ankommt. Das alles gibt es „ohn all mein Verdienst und Würdigkeit“ (Kleiner Katechismus, erster Artikel). Mein Waldnachmittag steht da also quasi mit drin 😉
Die anderen drei Soli, übersetzt in unsere Zeit
Die Reformation wird oft in vier lateinischen Leitsätzen zusammengefasst, den sogenannten Soli (nach dem lateinischen Wort für „allein“): allein aus Gnade, allein Christus, allein die Schrift und allein durch den Glauben. Zur festen Viererliste hat sie erst die Nachwelt gebündelt, die Gedanken selbst stehen alle schon bei den Reformatoren.
Die Gnade hatten wir schon. Hier kommen die anderen drei, jeweils neben das Wort aus der VUCA-Welt gelegt, zu dem sie passen.
Unsicherheit: allein Christus
Wer die Nachrichten verfolgt, kommt schnell ins Fragen. Was gibt uns eigentlich Sicherheit? So richtig echte? Wir sehnen uns nach funktionierenden Plänen und danach, dass alles irgendwie besser wird oder mindestens gut bleibt. Und dann kommt es oft doch anders.
„Allein Christus“ hieß in der Reformation, dass die Beziehung zu Jesus vollkommen genügt, um ganz bei Gott anzukommen. Für mich heißt es heute vor allem, dass das Fundament, auf dem ich stehe, einer ist, der die Angst kennt. In der Nacht vor seinem Tod fängt Jesus im Garten Gethsemane an „zu zittern und zu zagen“, so erzählt es das Markusevangelium, und sagt zu den drei Freunden, die er mitgenommen hat: „Meine Seele ist betrübt bis an den Tod“ (Markus 14,33-34). Am Kreuz ruft er laut: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Markus 15,34) So ein Fundament trägt, gerade weil es die Angst von innen kennt. Jesus liebt, was Gott liebt, und verschenkt sein Herz an uns. Er hofft, weil er weiß, dass Gott Gutes mit uns im Sinn hat und gerne vergibt. Auf den kann man sich verlassen, auch wenn ein Plan nicht aufgeht. Das ist Sicherheit – auch, bzw. besonders in Erschöpfung, Burnout, im Chaos unserer inklusiven Familie und all meinen Unsicherheiten, die ich beim Blick auf die Welt empfinde.
Komplexität: allein die Schrift
Unübersichtlich wird’s bei den großen Fragen, wie wir als Gesellschaft zusammenleben wollen und wie wir den Krisen begegnen, die gefühlt immer schneller über uns hereinbrechen. Wenn Fachleute nicht „die richtige Lösung“ haben und wir die Folgen unserer Entscheidungen kaum überblicken können, wird Komplexität spürbar – und das ist mindestens unangenehm. Für uns als Familie heißt Komplexität unter anderem, dass selbst Fachärztinnen und Fachärzte mit Blick auf unseren Jüngsten nicht sicher sagen können, wie sich ein neues Medikament auswirken wird, wie seine weitere Entwicklung aussieht und was dafür förderlich wäre oder eben genau das Gegenteil. Unser Alltag besteht oft aus so vielen Anforderungen von Arbeit, Pflege, Familie, Selbstfürsorge etc., dass es selbst dem Tetris-Weltmeister schwerfiele, alles irgendwie gut in das Zeitbudget einer Woche zu pressen … und dabei noch die ganzen Gefühle zu berücksichtigen, die da dran hängen … es ist komplex.
„Allein die Schrift“ hieß damals bei Luther, dass die Bibel der Maßstab für den Glauben ist und dass jeder Mensch selbst darin lesen darf. Luther hat dafür auf der Wartburg das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzt, und zwar so, wie die Leute auf dem Markt geredet haben. Die „Heilige Schrift“ ist für mich vor allem ein Zeugnisbuch, in dem Menschen über viele Jahrhunderte erzählen, wie sie Gott erlebt haben. Sie schenkt eine neue Perspektive, mit Trost, Lehre und Kritik, und mit lebensverliebten Geschichten. Unsere Geschichte ist mit Gottes Geschichte verwoben, und jeder Mensch darf sich in diese Geschichte fallen und finden lassen, die alles überblickt und überdauert. Sie ist damit so etwas wie eine Landkarte für ein Leben mit Gott, ein in einer sehr grundlegenden Form gelingendes Leben.
Mehrdeutigkeit: allein durch den Glauben
Wenig scheint so richtig eindeutig und exakt bestimmbar. Da fordern Entscheidungen und Festlegungen besonders viel Mut, Bewusstheit und Fehlerfreundlichkeit von uns. Und oft weiß man gar nicht so genau, was eigentlich richtig, liebevoll und hilfreich wäre. Was ist am Ende wirklich die richtige Entscheidung im Supermarkt: Die Bio-Salatgurken mit Plastikfolie (ohne Pestizide, aber mehr Müll), oder die weit gereisten konventionellen Salatgurken aus Portugal ohne Plastiküberzug? Mein samstäglich beim Wocheneinkauf neu aufgelegter Struggle endet meist mit der Erkenntnis, dass man das irgendwie nicht wissen kann. Und das ist ja nur ein mini kleines Problemchen – wenn ich da auf die Mehrdeutigkeiten in unserer Welt schaue …
„Allein durch den Glauben“ hieß in der Reformation, dass vor Gott Vertrauen zählt. Und Glaube ist für mich genau das: Vertrauen darauf, dass Gott da ist und für uns ist. Und dass Gott uns diesen Glauben schenkt. Das Leben ist mehrdeutig, und der Glaube umarmt das. Er lädt ein, Brücken zu bauen, andere willkommen zu heißen, das Leben zu genießen und gegen Lebensfeindliches aufzustehen. Fröhliche Offenheit hab ich das mal genannt. Glaube bewegt, hin zu Gott, zu den anderen und zu mir, und er schenkt eine Heimat, in der wir geborgen sind. Und gibt eine gewisse Gelassenheit, bei all dem auch mal fröhlich zu scheitern (u.a. auch weil: allein die Gnade).
Und Luther selbst?
Ziemlich viele im wahrsten Sinne des Wortes wunderbare Erkenntnisse verdanken wir Luthers Auseinandersetzung mit der Frage nach einem gnädigen Gott. Diese Erkenntnisse haben nicht nur ihn verändert, sondern die ganze Welt. Das kann man völlig unpathetisch so sagen. Und deshalb war das ein wirklich erhabenes Gefühl für mich, als ich in Augsburg das Kloster besuchen konnte, in dem Luther 1518 während seiner Verhöre durch den päpstlichen Gesandten wohnte und aus dem er nachts heimlich floh. Drei Jahre später saß er auf der Wartburg und übersetzte das Neue Testament. Ich bin da wahrscheinlich über dieselbe Holztreppe (und zwar literally dieselbe) gelaufen, über die Martin Luther auch lief. Geschichte live erlebt sozusagen. Hammererlebnis!
Derselbe Luther, der die Gnade so befreiend beschrieben hat, hat, das muss man leider dazu sagen, in seinen späten Jahren gegen Juden gehetzt. 1543 forderte er in einer Schrift unter anderem, ihre Synagogen niederzubrennen. Im Nationalsozialismus hat man sich darauf berufen. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat sich 2015 ausdrücklich von Luthers Judenfeindschaft distanziert und erklärt, das Versagen der evangelischen Kirche gegenüber dem jüdischen Volk erfülle sie mit „Trauer und Scham“ (EKD-Synode 2015).
Für mich gehört beides an diesen Tag, die Freude über Luthers Entdeckung und die Scham über diese Texte. Auch hier: Komplexität. Unsicherheit. Und benötigte Gnade …
Heute Abend: eine zweite Liste
Zurück zu dir und deinem Feierabend.
Deine To-do-Liste wird heute wahrscheinlich nicht leer, meine auch nicht. Und das fühlt sich meistens nicht sonderlich dolle an. Aber du darfst ihr ab sofort abends eine zweite Liste zur Seite legen. Auf die kommt, was dir heute einfach geschenkt wurde.
Auf meiner zweiten Liste stünde an jenem Samstag im Oktober der Wald. Und Hirschgulasch in der Dose, den mir mein Vater geschenkt hatte (ich bin so gar nicht der Konservenessenmensch, aber geschenkt ist geschenkt). Es dürfen ganz kleine Dinge sein, der Kaffee, den dir jemand anders gekocht hat, ein Satz, der dich berührt hat, das Licht auf dem Heimweg oder einfach, dass der Bus mal pünktlich war.
Nebeneinander sieht die erste Liste gar nicht mehr so schlimm aus – und auf der zweiten entdeckst du ziemlich sicher öfter mal Dinge, die sonst einfach in Vergessenheit geraten wären, aber die Freude übers Beschenkt-Werden echt wert sind. Und wenn an einem schweren Tag nichts draufkommt, weil dir nichts einfällt, bleibt die Liste halt leer. Das darf sie. Gnade gilt auch an den leeren Tagen.
Ich wünsche dir einen Feierabend,
an dem etwas liegen bleiben darf,
und einen Moment darin,
den du dir nicht verdienen musst.
Und wenn der Tag wieder schneller war als du,
dann wünsch ich dir die leise Gewissheit,
dass du geliebt bist,
bevor du irgendetwas erledigt hast.
Wenn du solche geschenkten Momente öfter bemerken möchtest, hab ich was für dich. In meinem kostenlosen Audiokurs „Einmal kurz Himmel atmen“ bekommst du sieben Tage lang jeden Tag ein paar Minuten geführte Stille. Klein genug für einen vollen Tag.
Zum Nachlesen
- Luthers Predigt vom 1. Februar 1534, zitiert bei Gottfried Adam, „Der Gerechte lebt aus Glauben“ (Universität Tübingen, mit PDF)
- Luthers Rückblick auf seine Entdeckung (Vorrede von 1545) in deutscher Übersetzung: German History in Documents and Images
- Der Kleine Katechismus auf ekd.de
- Die EKD-Synode 2015 zu Luther und den Juden
- VUCA im Gabler Wirtschaftslexikon
Häufige Fragen
Am 31. Oktober erinnern evangelische Christinnen und Christen an den Beginn der Reformation. An diesem Tag im Jahr 1517 schickte Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an den Erzbischof von Mainz. Ob er sie auch an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen hat, ist in der Forschung umstritten. In mehreren Bundesländern ist der Reformationstag ein gesetzlicher Feiertag.
„Allein aus Gnade“, lateinisch sola gratia, heißt, dass Gott Menschen annimmt, ohne dass sie sich das verdienen müssen. Luther hat das beim Lesen des Römerbriefs als Befreiung erlebt. In der Bibel steht es besonders deutlich im Epheserbrief (Epheser 2,8).
Die vier Soli fassen die Reformation in vier lateinischen Leitsätzen zusammen: sola gratia (allein aus Gnade), solus Christus (allein Christus), sola scriptura (allein die Schrift) und sola fide (allein durch den Glauben). Als feste Liste stammen sie aus späterer Zeit, die Gedanken selbst finden sich alle schon bei den Reformatoren.
VUCA ist ein Kürzel aus den englischen Wörtern volatility, uncertainty, complexity und ambiguity, also Unbeständigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit. Geprägt hat es das US-Militär, heute beschreibt man damit vor allem in Wirtschaft und Management eine Welt, in der sich Pläne schnell überholen.
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Bilder: privat (Foto), Claude Design (Gestaltung Titelbild).