Falls du nur zwei Minuten hast, das Wichtigste vorweg:• Auf einem Spaziergang ohne Handy wanderte meine Hand dreimal an eine leere Jackentasche, aus Angst, etwas zu verpassen.• Genau dagegen steht einer der bekanntesten Sätze der Bibel: „Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ (Psalm 23,1).• Im Urtext klingt Vers 2 noch konkreter: Er lässt mich lagern. Nicht das Schaf entscheidet, wann Pause ist, sondern der Hirte.• Die ganze Geschichte, plus eine geführte Stille zum Mitmachen, gibt es als Folge 3 meines Podcasts „Pausentaste“ zum Hören.
Vor ein paar Wochen habe ich etwas Verwegenes getan: Ich bin sonntags spazieren gegangen und habe mein Handy zu Hause gelassen.
Es war Frühling, es hatte geregnet, aber jetzt schien die Sonne. Im Wald tropfte es trotzdem weiter, nicht von oben, sondern von den Bäumen, die der Wind noch einmal ordentlich durchschüttelte. Bonus-Regen sozusagen. Kaum jemand war unterwegs außer mir.
Klingt nach nichts Besonderem, ich weiß. Aber in mir war einiges los. Meine Hand wanderte dreimal an die Jackentasche. Kurz gefühlt. Leer. Ein kleiner Schreck: Wo ist mein Handy. Dann die Beruhigung: ach ja, zu Hause. Aber die Fragen blieben hängen. Was, wenn jemand anruft? Was, wenn genau jetzt etwas passiert, das ich verpasse?
Da war es, das Wort. Verpassen. Und dagegen kenne ich inzwischen einen Satz, uralt und kurz: Mir wird nichts mangeln.
Das Wort, das hängen blieb
Ich glaube inzwischen: Neben dem vollen Kalender gibt es noch einen leiseren Grund, warum viele von uns kaum noch zur Ruhe kommen. Die Angst, etwas zu verpassen: eine Nachricht, eine Gelegenheit, einen Gedanken, einen Anschluss.
Ruhe fühlt sich in dieser Logik nicht wie Erholung an. Sie fühlt sich an wie Abwesenheit vom eigenen Leben. Wer ruht, so flüstert es in uns, fällt zurück.
Was bedeutet „Mir wird nichts mangeln“?
Genau gegen dieses Flüstern steht einer der bekanntesten Sätze der Bibel, ein altes Lied aus Israel, fast wie ein Gebet: „Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ (Psalm 23,1).
Bleib kurz bei der zweiten Hälfte. Mir wird nichts mangeln. Das ist das genaue Gegenteil der Verpassens-Angst: Nichts wird fehlen. Du wirst nichts versäumen, was du zum Leben brauchst. Es ist gesorgt.
Und dann erzählt der Psalm, wie dieser Hirte das eigentlich macht: „Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser“ (Psalm 23,2). Im Urtext klingt das noch konkreter: Er lässt mich lagern. Hinlegen.
Das Schaf entscheidet nicht selbst, wann Pause ist. Der Hirte entscheidet es. Weil er weiß, was das Tier braucht, besser als das Tier selbst. Ein Schaf, das nur frisst und läuft und nie lagert, wird krank. Jeder Hirte weiß das. Nur wir modernen Menschen glauben, wir wären die Ausnahme der Schöpfung.
Die Ruhe ist in diesem Psalm weder Belohnung noch Selbstoptimierung, sie ist Führung.
Nicht weil du versagt hast
Gott verordnet diese Ruhe, wie ein guter Hirte, wie eine gute Ärztin. Nicht weil du versagt hast, sondern weil Gott dich am Leben halten will.
Du musst dich diese Ruhe nicht verdienen.
Du darfst nur lagern, wo du stehst.
Der Hirte hält die Uhr an,
nicht du.
Auf meinem handylosen Spaziergang ist übrigens nichts Dramatisches passiert. Kein Notfall. Keine verpasste Weltsensation. Nur wurde es nach etwa zwanzig Minuten still in der Jackentasche meiner Seele. Und ich habe Dinge gesehen, die ich sonst hundertmal übersehen hätte. Nichts hat gemangelt. Es war, ehrlich gesagt, mehr da als sonst.
Du musst dafür keinen ganzen Sonntag ohne Handy einlegen, wenn das gerade nicht geht, sei es wegen Schicht, Bereitschaft oder weil gerade jemand auf dich angewiesen ist. Es reicht, heute für ein paar Atemzüge das zu tun, was mir so schwerfiel: nichts checken, nichts nachholen. Nur lagern. Und wenn die Unruhe kommt, der Satz dagegen: Mir wird nichts mangeln.
Die ganze Geschichte, plus eine geführte Weide-Stille
Diese Geschichte, ausführlicher erzählt, mit dem ganzen Spaziergang und einer geführten Stille zum Mitmachen: Das ist Folge 3 meines Podcasts „Pausentaste“, gut elf Minuten lang.
11 Minuten · mit einer geführten Weide-Stille ab Minute 10
Mehr über die Pausentaste, alle Folgen und wo du sie sonst noch hörst: heiko-metz.de/pausentaste
Wenn dich das Thema dieses Monats noch tiefer interessiert: In Ruhetag statt Resttag geht es um dieselbe Grundfrage, mit einem anderen Blick: warum der Sonntag bei so vielen von uns zum zweiten Arbeitstag geworden ist, und was ein echter Ruhetag davon unterscheidet.
Und falls dich gerade nicht die Ruhe, sondern die Angst selbst am meisten beschäftigt: In einem anderen Psalm, der mich durch Angst getragen hat, erzähle ich von Psalm 56,4.
Der Satz eröffnet Psalm 23 und beschreibt Gott als Hirten, der für alles sorgt, was du wirklich zum Leben brauchst. Er ist ein Gegenmittel zur Angst, etwas zu verpassen: Was zählt, geht dir nicht verloren.
In Psalm 23,2 lässt der Hirte das Schaf auf grüner Aue lagern. Nicht das Schaf entscheidet, wann Pause ist, sondern der Hirte, weil er weiß, was es braucht. Übertragen auf Menschen heißt das: Ruhe ist Führung, keine Belohnung, die man sich erst verdienen muss.
Wer ständig fürchtet, etwas zu verpassen, kann sich kaum entspannen: Ruhe fühlt sich dann wie Rückstand an statt wie Erholung. „Mir wird nichts mangeln“ setzt genau da an: Was du wirklich brauchst, geht dir nicht verloren, nur weil du gerade nicht erreichbar bist oder sein kannst.
Die Pausentaste ist mein monatlicher Podcast: eine Geschichte aus meinem Alltag, eine geführte Stille zum Mitmachen und ein Segen für die Woche. Alle Folgen gibt es auf heiko-metz.de/pausentaste.
Wenn du einen kleinen, sanften Anfang suchst:
Bilder: Claude Design.
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